Daniel. Der düstere Dramaturg.

16. Mai 2016
                               Daniels Fakten:

Alter: 34

Studierte: Philosophie, Psychologie, Germanistik

Leidenschaftsberuf: Autor

Liebt die Autoren: Hermann Hesse, Stanislav Lem, William Gibson, Stephen King

Hasst diese Buch: Das finstere Tal von Thomas Willmann

Autor in der Venyllounge im 25hours hotel hamurg_charlev.de

Hi, Hola und Privet Daniel,

schön, mit dir einen Chai-Latte zu schlürfen :). Als selbstständiger Drehbuchautor und Schriftsteller widmest du dein Schöpfen aktuell einer Fantasy Kurzgeschichten-Reihe. Stell dich doch bitte kurz selbst vor.

>>Nun … Ich bin einfach ein Typ, der Geschichten schreibt. Das ist eigentlich ein abgewandeltes Zitat von Clint Eastwood, aber wie sagte Tarantino mal? Gute Künstler kopieren, große Künstler stehlen. Den Satz stahl er übrigens von Picasso.

 

Dein Leben spielt sich fern vom langweiligen Büroalltag ab. Wie sieht so dein Arbeitstag aus?

>>Also der Büroalltag ist mir ja nicht fremd. Ich hab früher in einer Werbefilmproduktion und später beim Fernsehen im Playout gearbeitet, also im Grunde schon recht gängige 9to5 Jobs am Computer, wobei es natürlich Ausnahmen gab, etwa wenn ein Dreh anstand.

Es ist oft nicht leicht, jemandem zu erklären, was kreatives Schreiben bedeutet. Eine Bekannte fragte mich letztens: Arbeitest du überhaupt auch mal? Meist sitze ich morgens nach’m Aufstehen und im Laufe des Nachmittags jeweils 1-2 Stunden am Rechner. Schreiben ist aber im Grunde eine Arbeit, die man ständig verrichtet, sei es Recherche, Sätze im Kopf verfeinern oder Charaktere entwickeln, und zwar während des Joggens, in der U-Bahn – [lächelt] – oder auch wenn man gerade versucht, einzuschlafen.

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Hast du dich bei deinen Werken auf ein Genre spezialisiert?

>>Jain. Ich schreibe besonders gerne im Science Fiction Bereich. Das ist ein sehr breites Genre für philosophische und anthropologische Themen, etwa: Welchen Einfluss hat Technologie auf die Gesellschaft und das Individuum? Wie klassifiziert man (intelligentes) Leben oder was macht den Menschen eigentlich zum Menschen? Im Grunde wandere ich aber in vielen Genres umher, wie ganz gewöhnliche Alltagsdramen, Horror oder auch Fantasy.

 

Woher nimmst du die essenzielle Inspiration für deine Werke?

>>Aus Allem. Ich habe als Kind mit Schreiben angefangen um eigene Geschichten von Dingen zu erzählen, die ich mochte, Star Trek z.B. oder Robocop. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, nur dass ich gänzlich auf eigene Erzählungen umgestiegen bin – und von den Dingen, die mir gefallen, hier und da höchstens ein bisschen klaue. [lacht]

Autor Daniel Habern in der Venyylounge im 25hours hotel hamburg hafencity

Was unternimmst du, wenn du eine Schreibblockade hast?

>>Oh, ich habe keine. Jeder Autor arbeitet natürlich anders, aber ich habe herausgefunden, dass eine Schreibblockade nichts anderes bedeutet als nicht zu wissen, was man eigentlich Schreiben will. Das klingt profan, aber ich versuch es mal zu erklären. Im Kopf weißt du z.B. schon ziemlich genau, was der Held in Kapitel 2 im – sagen wir mal – Parkhaus erlebt, welch hintersinnigen Dialog er mit dem Antagonisten führt und dass er seinen Verfolgern mit einem überraschenden Trick entkommt; und du weißt, dass der Held im 4. Kapitel nach Hause kommt und feststellt, dass seine Familie bereits entführt wurde, irgend so was, und plötzlich merkst du während des Schreibens, du hast keine funktionierende Verbindung. Jeder Versuch, von Kapitel 2 zu Kapitel 4 zu gelangen wirkt hölzern, unglaubwürdig oder albern. An so etwas hängst du dich sehr leicht auf, und wenn du Pech hast, wirfst du das ganze Buch frustriert in den Mülleimer. Der einzige für mich brauchbare Weg dem entgegenzuwirken, ist sehr genaue Vorbereitung. Je besser man die Figuren und ihre Welt kennt, umso wahrscheinlicher ist es, dass man intuitiv Schritte und Situationen erschafft, die funktionieren. Außerdem probiert man schon im Vorfeld aus, ob die Geschichte überhaupt klappt, und nicht erst, wenn man 400 Seiten oder mehr geschrieben hat. Nicht selten stellt sich erst bei weiterer Entwicklung heraus, dass z.B. die Nebenhandlung viel mehr Potenzial besitzt als die Haupthandlung. Ein Treatment ändert man dementsprechend in 1-2 Wochen ab; an einem halbfertigen Roman doktort man herum, bis gar nichts mehr einen Sinn ergibt, schließlich fällt es schwer, Passagen zu streichen, in die man viel Arbeit gesteckt hat oder die vielleicht sogar die ursprünglichen Lieblingsszenen darstellen, weswegen man die Geschichte überhaupt erzählen wollte. Schreiben kann jeder – Streichen ist das eigentliche Handwerk.

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Im Vorfeld habe ich deine Kurzgeschichte „Ophiocordyceps“ gelesen, mit der du 2015 den ersten Platz beim Weltentor Wettbewerb des Noel Verlags gewannst. Sie handelt von dem brisanten Thema Gesellschaftsdruck und ist aus der Sicht eines Selbstmordattentäters geschrieben. Was hat dich dazu bewegt, über dieses Thema zu schreiben?

>>Ich bin kurz über das Wort Selbstmordattentäter gestolpert. So komisch das klingen mag: Diese Perspektive war mir gar nicht so bewusst. Also sie ist natürlich richtig, aber mit dem Wort assoziiert man ja in erster Linie eine Person, die aufgrund einer radikalen Ideologie terroristische Akte verübt. Mir ging es mehr um den Aspekt: Was wenn es in einer Zukunft der totalen Vernetzung möglich wäre, das Gehirn eines Menschen zu hacken, also eine Instrumentalisierung weit jenseits von Gehirnwäsche. Wie würde das vonstattengehen? Was würde die Person spüren, fühlen, tun? Wäre eine solche Veränderung nicht am ehesten eine Form der Schizophrenie, nur eben webinduziert? Als Siegergeschichte des Weltentor 2015 Wettbewerbs, kannst du „Ophiocordyceps“ hier lesen.

 

Erzähl uns von deinen aktuellen Projekten.

>>Eins meiner Spielfilmdrehbücher, „Braunau am Inn“, wartet derzeit auf sein „Go“. Die Filmproduktion ist noch dabei die nötige Finanzierung aufstellen. Der Film ist eine Groteske, in der eine linksradikale Gruppierung einen Attentäter zurück ins Jahr 1929 schickt, um Hitler zu erledigen, allerdings bekommt eine Neonazizelle Wind davon und schickt ebenfalls einen Soldaten durch die Zeit, was sich immer weiter hochschaukelt, bis sozusagen der zweite Weltkrieg in Hitlers Münchner Wohnung ausgetragen wird.

Ansonsten arbeite ich an meiner Fantasy Kurzgeschichtenserie „Das Spiel der Lenker“. Der erste Teil ist April 2016 als eBook erschienen, die Fortsetzungen kommen peu à peu dazu.

Ein Experimentalroman und ein Sci-Fi Kurzroman sind auch fertig, hierfür suche ich gerade Verlage. Außerdem bereite ich einen weiteren Fantasy Roman vor. Also es ist einiges los 😉

 

CharlEv über Daniel Habern:

Daniel ist duchgeknallt. Vielschichtig. Intelligent wie Sherlock. Er eckt an und fährt trotzdem nur die eine Linie, und zwar seine selbst gezogene. Durch seinen interessanten Geist wird nie ein Treffen „wie erwartet“ und darum lieben wir seine Gesellschaft. Daniels Kurzgeschichte „Ophiocordyceps“ begleitete mich noch eine ganze Woche nachdem ich sie fertiglas. Sie hinterließ tiefen Nachdruck und verhalf mir zu neuen Denkanstößen, was die Zukunft der Menschheit im Zuge der Digitalisierung erwarten könnte… Daniel, wir glauben an dich und daran, dass es nicht mehr lange dauert, bis du selbst in die Reihe deiner Lieblingsautoren aufgenommen wirst!

Autor Daniel Habern in der Venyllounge 25hours hotel hamburg in der hafencity_charlev.de

 

 

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